Die Gebäudewende braucht klare politische Weichenstellungen

Juli 2026
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und ZVEI zu Gast bei Gira

Radevormwald, 3. Juli 2026. Wie kann der Gebäudesektor einen deutlich größeren Beitrag zu Klimaschutz, Energieeffizienz und Versorgungssicherheit als bisher leisten? Welche Rolle spielen dabei intelligente Gebäudeautomation, Digitalisierung und Elektrifizierung? Welche politischen Rahmenbedingungen sind nötig, damit die vorhandenen technologischen Potenziale optimal genutzt werden können? Über diese und weitere Fragen diskutierten heute auf Einladung des ZVEI (Verband der Elektro- und Digitalindustrie) führende Vertreterinnen und Vertreter der nordrhein-westfälischen Elektroindustrie und ihrer Branchenvereinigung mit der Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, Mona Neubaur, auf dem Campus des Gebäudetechnikspezialisten und Smart-Building-Pioniers Gira (www.gira.de) in Radevormwald.

Im Mittelpunkt des Austauschs standen insbesondere die Ergebnisse der in diesem Jahr veröffentlichten Studie „Einsparpotenziale durch elektrische und digitale Technologien im Gebäude“, die der ZVEI zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI erarbeitet hat. Die Untersuchung zeigt, dass Elektrifizierung und Digitalisierung im Gebäudesektor erhebliche Energie-, Kosten- und CO₂-Einsparungen ermöglichen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten können.

Gebäudesektor benötigt Modernisierungsschub
Denn der Gebäudesektor ist von der bis 2045 angestrebten Klimaneutralität weit entfernt. Noch immer verantwortet er erhebliche Treibhausgasemissionen und verfehlt damit die Zielvorgaben des Klimaschutzgesetzes. Gleichzeitig zeigen technologische Entwicklungen, dass bereits heute große Einsparungen möglich sind. „Wir diskutieren in Deutschland häufig über Klimaziele. Viel wichtiger ist die Frage, wie wir sie erreichen. Eine Antwort lautet: durch einen umfassenden Modernisierungsschub für Wohn- und Nichtwohngebäude“, erklärte Gira Geschäftsführer Dominik Marte. „Die Technologien dafür sind vorhanden. Gebäudeautomation, intelligente Vernetzung, digitales Energiemanagement, Wärmepumpen und die Integration erneuerbarer Energien ermöglichen erhebliche Fortschritte bei Energieeffizienz und Klimaschutz. Entscheidend ist jetzt, dass diese Potenziale auch in der Breite genutzt werden, und dies schnell. Was dafür fehlt, sind verlässliche politische Rahmenbedingungen, die Investitionen erleichtern, statt sie zu verzögern.“

Die Studie von ZVEI und Fraunhofer ISI kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Endenergiebedarf von Gebäuden durch Elektrifizierung und Digitalisierung je nach Gebäudetyp im besten Fall um mehr als die Hälfte reduzieren lässt: bei Produktionsgebäuden um 52 Prozent, bei Einfamilienhäusern sogar um fast 70 Prozent. Den Primärenergiebedarf in Deutschland lassen der Untersuchung zufolge Elektrifizierung und Digitalisierung bis 2045 um rund 210 TWh gegenüber dem Referenzpfad sinken. Dadurch könnten in diesem Zeitraum 98 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente vermieden werden.

Nordrhein-Westfalen als Impulsgeber für die Gebäudewende
„Nordrhein-Westfalen ist ein Schlüsselstandort, von dem dieser Modernisierungsschub für die Gebäudewende ausgehen kann“, erklärte Marte. Tatsächlich wurden hier in den 1990-er Jahren mit der Entwicklung des Europäischen Installations-BUS die technologischen Grundlagen für smarte und digital vernetzte Gebäude gelegt. Heute hat rund ein Viertel der deutschen Industrieunternehmen, die Elektroinstallations-, Smart-Home- und Gebäudesystemtechnik entwickeln und produzieren, ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen. „Viele davon sind mittelständische Familienunternehmen und Hidden Champions, die mit ihren Innovationen Märkte in Deutschland, Europa und weltweit bedienen“, bestätigt Julia Dornwald, Geschäftsführerin der ZVEI-Landesstelle Nordrhein-Westfalen. „Sie schaffen Wertschöpfung, Beschäftigung und technologische Souveränität – und sie verfügen über die Lösungen, die wir für eine erfolgreiche Transformation des Gebäudesektors benötigen.“

Ministerin Neubaur würdigte bei ihrem Besuch die Innovationskraft der nordrhein-westfälischen Elektro- und Digitalindustrie sowie deren Beitrag zur Energiewende: „Unsere Gebäude können mehr, als die meisten von uns denken. Wer Heizung, Strom und Technik intelligent vernetzt, spart nicht nur Energie, sondern bares Geld – und das jeden Tag. Gira zeigt, wie das geht: made in NRW, mit einer Fertigung, die international mithalten kann, und einer Klimastrategie, die diesen Namen verdient. Genau solche Unternehmen brauchen wir, um die Gebäudewende vom Reißbrett in die Realität zu holen.“

Jetzt die Voraussetzungen für Investitionen schaffen
In der Diskussion machten die Vertreterinnen und Vertreter der Elektroindustrie und des Branchenverbands deutlich, dass die politischen Rahmenbedingungen so ausgestaltet werden müssen, dass Investitionen in moderne Gebäudetechnologien beschleunigt werden. Aus ihrer Sicht sind dafür insbesondere eine vollständige und rechtssichere Umsetzung der europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD), entsprechende Anpassungen der nationalen Gesetzgebung sowie langfristige Planungssicherheit erforderlich. „Technologie allein genügt nicht“, sind sich Julia Dornwald und Dominik Marte einig. „Die Politik muss die Rahmenbedingungen so setzen, dass die vorhandenen Einsparpotenziale auch tatsächlich gehoben werden können. Unternehmen, Gebäudeeigentümer und Investoren brauchen Verlässlichkeit über viele Jahre hinweg.“ Dazu gehörten aus Unternehmens- und Verbandssicht unter anderem investitionsfreundliche Regelungen für die Gebäudeautomation, die Förderung energieeffizienter Modernisierungen, wettbewerbsfähige Strompreise sowie ein klarer und langfristig verlässlicher Transformationspfad für den Gebäudesektor. Zusätzliche Parallelstrategien, wie sie die Bundesregierung mit der geplanten Grüngasquote im Gebäudemodernisierungsgesetz vorsehe, würden die Transformation unnötig verkomplizieren und verteuern. „Dies schafft weder die notwendige Klarheit noch die erforderliche Investitionssicherheit“, erklärte der Gira Geschäftsführer.

Gira macht ernst mit der Energiewende
Sein Unternehmen hat für sich hier längst eindeutige Prioritäten gesetzt und begonnen, die Energie- und Gebäudewende in der Praxis umzusetzen. Mit dem vor einem Jahr in Betrieb genommenen Solarpark erzeugt das Unternehmen künftig jährlich rund zehn Millionen Kilowattstunden Strom aus erneuerbaren Energien. Gleichzeitig treibt Gira die Elektrifizierung seiner Wärme- bzw. Kälteversorgung konsequent voran und ersetzt fossile Energieträger schrittweise durch elektrische Lösungen. „Wir machen ernst mit der Energiewende“, unterstrich Geschäftsführer Marte beim Werksrundgang mit Wirtschaftsministerin Neubaur. „Der Solarpark ist für uns kein Prestigeprojekt, sondern ein zentraler Baustein unserer Unternehmens- und Nachhaltigkeitsstrategie. Wir wollen zeigen, dass Klimaschutz, Versorgungssicherheit und wirtschaftlicher Erfolg keine Gegensätze sind. Im Gegenteil: Die Nutzung erneuerbarer Energien, intelligente Steuerungssysteme und die Elektrifizierung unserer Energieversorgung machen uns unabhängiger, effizienter und langfristig wettbewerbsfähiger.“ Gleichzeitig verdeutliche der Standort Radevormwald, wie die Technologien, die Unternehmen der Elektro- und Digitalindustrie entwickeln, nicht nur bei Kunden, sondern auch im eigenen Betrieb erfolgreich eingesetzt werden können. Gebäudeautomation, Lastmanagement und die intelligente Verknüpfung von Energieerzeugung, Verbrauch und Speicherung spielen dabei eine zentrale Rolle.

Die Veranstaltung in Radevormwald hat erneut deutlich gemacht, dass die technischen Lösungen für einen klimafreundlicheren Gebäudebestand längst verfügbar sind. Nun komme es aus Sicht des ZVEI und seiner Mitgliedsunternehmen darauf an, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sie schneller und flächendeckender zum Einsatz kommen. Deshalb sei der Austausch mit der Politik auf europäischer, Bundes-, aber auch auf Landesebene von großer Bedeutung. „Die Energie- und Gebäudewende sind nicht nur eine klimapolitische Notwendigkeit“, so Dominik Marte stellvertretend für die Branchenunternehmen. „Sie sind zugleich eine große Chance für Innovation, Wertschöpfung und industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Nordrhein-Westfalen kann und sollte dabei eine führende Rolle übernehmen.“

***

„Wir sind die mit den Schaltern …, aber auch noch so viel mehr“ – über Gira
Die Gira Giersiepen GmbH & Co. KG (www.gira.de) mit Sitz in Radevormwald zählt zu den führenden Komplettanbietern intelligenter Systemlösungen für die elektrotechnische und vernetzte digitale Gebäudesteuerung. Mit seinen zahlreichen Entwicklungen prägt und beeinflusst das Familienunternehmen seit seiner Gründung im Sommer 1905 die Welt der Elektroinstallation und Gebäudesteuerung. Der zukunftsträchtigen Entwicklung zu intelligent vernetzten Smartbuilding-Systemen und zur Digitalisierung von Gebäuden hat Gira als Smartbuilding-Pionier der ersten Stunde mit vielfältigen Innovationen wie etwa dem Gira HomeServer von Beginn an maßgebliche Impulse gegeben. Dabei stehen Gira Produkte und Lösungen für deutsche Ingenieurskunst, für Qualität „Made in Germany“, für nachhaltige Prozesse bei ihrer Herstellung und einen möglichst umwelt- und ressourcenschonenden Betrieb, für Perfektion in Form und Funktion – vor allem aber dafür, dass sie den Menschen das Leben ein Stück einfacher, komfortabler und sicherer machen. Nicht umsonst finden Schalter, Steuerungs-, Kommunikations- und Sicherheitssysteme von Gira heute in rund 40 Ländern Anwendung, etwa in der Hamburger Elbphilharmonie, im Olympia-Stadion in Kiew, im Stephansdom in Wien und im Banyan Tree Hotel in Shanghai. Zur Gira Gruppe gehören darüber hinaus die Tochtergesellschaft Stettler Kunststofftechnik in Burgwindheim und seit 2022 das britische Unternehmen Wandsworth in Woking sowie die Beteiligungen am Elektronikspezialisten Insta in Lüdenscheid und am Softwareunternehmen ISE in Oldenburg. Zusammen erwirtschaften damit ca. 1.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Jahresumsatz von 390 Millionen Euro (2025).

ZVEI: Der Verband der Elektro- und Digitalindustrie
Der ZVEI vertritt die gemeinsamen Interessen der Elektro- und Digitalindustrie und der zugehörigen Dienstleistungsunternehmen in Deutschland und auf internationaler Ebene. Der Verband zählt mehr als 1.100 Mitgliedsunternehmen. In der ZVEI-Gruppe arbeiten 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ende 2025 beschäftigte die Branche 873.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Inland. Sie ist damit die zweitgrößte Industriebranche in Deutschland. Der Umsatz lag 2025 bei 225 Milliarden Euro.

Die Elektro- und Digitalindustrie ist einer der innovativsten Wirtschaftszweige in Deutschland. Jährlich wendet die Branche 14 Milliarden Euro für F&E und mehr als neun Milliarden Euro für Investitionen auf.

Das hier hinterlegte Pressebild ist ausschließlich zur Veröffentlichung in Presse-Medien frei gegeben.

Bitte geben Sie bei einer Veröffentlichung stets die in der Presseinformation genannte(n) Bildquelle(n) an.

Download


Pressetext "NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und ZVEI zu Gast bei Gira" (PDF)

PDF, 383 Kb

Download


Pressetext "NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und ZVEI zu Gast bei Gira" (Word)

DOCX, 262 Kb

Download


Auf Einladung des ZVEI diskutierten führende Branchen-Vertreter mit NRW-Wirtschaftsministerin Neubaur bei Gira. (Foto: Gira)

JPG, 7.016 Kb

Download


Bei einem Rundgang informierte sich Ministerin Neubaur (2.v.l.) über das Energiekonzept von Gira. (Foto: Gira)

JPG, 9.407 Kb

Download


Gira Geschäftsführer Marte erläuterte Mona Neubaur, wie Smart-Home-Systeme zu mehr Energieeffizienz beitragen. (Foto: Gira)

JPG, 9.475 Kb

Download


„Die Gebäudewende ist eine große Chance für Innovation, Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit“, so Gira Geschäftsführer Marte.

JPG, 6.269 Kb

Download


Kontaktinformation

KommunikationsKonsortium
Carsten Tessmer
Am Tief 24
26409 Wittmund
+49 4462 209 6685
gira@kommunikationskonsortium.com

Gira Giersiepen GmbH & Co. KG
Dario Hudr
Referent Unternehmenskommunikation
Postfach 12 20
42461 Radevormwald
Tel +49 21 95-602 6897
dario.hudr@gira.de

Seitenanfang Download Kontaktinformation